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Anerkennen, Kohärenz und Resonanz als Hintergrund der Kinesiologie (Teil 1)
Autor: Theodor Dierk Petzold

„Da die Medizin es versäumt hat, ein integriertes Modell für Heilen zu entwickeln, scheint die Theorie der Medizin selbst heilungsbedürftig zu sein – oder anders formuliert –, der Mangel einer medizinischen Theorie für Heilen zwingt uns vor allem anderen, uns um eine Heilung der Theorie der Medizin zu bemühen.“

Eugen Baer (1980), zitiert nach Thure von Uexküll und W. Wesiack (1991), Theorie der Humanmedizin

 

Wozu brauchen wir eine Theorie und eine Philosophie, wenn die Praxis gut läuft? Genügt es nicht, wenn die Kinesiologie funktioniert nach dem Motto: Wer heilt, hat recht? Die Theorie einer Medizin hat in zwei Richtungen Auswirkungen auf die Praxis der Medizin:

1. Sie fördert die Forschungen und Praktiken, die mit ihr kompatibel sind.

2. Sie unterdrückt die Entwicklung anderer Forschungen und Praktiken, die nicht mit der Theorie übereinstimmen.

Theorie und Praxis können sich gegenseitig fördern oder bremsen, positiv oder negativ rückkoppeln.

Für moderne Diagnose- und Heilweisen, hier für die Kinesiologie, soll eine verbindende Theorie und Philosophie entwickelt werden, die die Naturheilweisen positiv rückkoppelt. Wenn zu einer guten Praxis eine gute Theorie kommt, kann das einen gewaltigen Schub für die Weiterentwicklung der Praxis geben. Eine gegenseitig Befruchtung von Theorie und Praxis kann zu neuen Früchten führen. Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an eine „Theorie für das Heilen“:

1. Sie soll alles, was in der Praxis heilend wirkt, erklären, begründen – theoretisch fundieren.

2. Sie soll selbst Möglichkeiten von Heilung aufzeigen und neue Wege für eine Entwicklung der Praxis weisen.

3. Sie soll die heilsamen Praktiken und Praktizierenden untereinander verbinden und ihre Kommunikation erleichtern und fördern.

4. Sie soll alle bisherigen Erkenntnisse sowohl die naturwissenschaftlichen als auch subjektive Erfahrungen berücksichtigen und einschließen. Zu einer solchen umfassenden „Theorie für das Heilen“ möchte ich mit meinen Ausfüh- rungen beitragen, um zu einer „Heilung der Theorie der Medizin“ zu kommen, wie Thure von Uexküll u. a. es gefordert haben.

Zunächst möchte ich eine neue, anerkennende, dynamische Denkweise mit fünf Paradigmen vorstellen, die hilfreich ist, um Heilungsprozesse zu verstehen.

Heilung ist wie Wachstum im Grunde ein Synthese- und Integrationsprozess.

Dann möchte ich auf die Aspekte des Anerkennens eingehen, die für die Kinesiologie m. E. wichtig sind. Als Drittes werde ich die menschliche Haltung beschreiben, die mit einer Philosophie des Anerkennens verbunden ist.

Neue Paradigmen für die Weiterentwicklung von Diagnose- und Heilmethoden

Das Anerkennungsprinzip

„Eine neue Art zu denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterbestehen will. Das ist das dringendste Problem unserer Zeit.“ Albert Einstein

Das alte Denken ist geprägt durch die klassische Logik von entweder wahr oder unwahr. Diese Logik hat sich schon für die Quantenphysik als zu eng erwiesen. Die so genannte Quantenlogik zeigt uns dagegen, dass es im Regelfall nicht nur zwei sich ausschließende Alternativen gibt, sondern auch noch viele Möglichkeiten dazwischen. Auch in der Medizin gibt es nicht nur den Status entweder gesund oder krank. Viel interessanter für uns ist die dynamische Entwicklung des Menschen von krank nach gesund – also die vielen verschiedenen Möglichkeiten für den einzelnen Menschen, sich gesund zu entwickeln. Somit erscheint die Quantenlogik für unsere Medizin viel tauglicher als die klassische Logik nach dem Widerspruchsprinzip des Aristoteles. Diese neue Denkweise in der Quantenphysik hat der Astrophysiker Bernd Wienecke treffend mit „Anerkennungsprinzip“ bezeichnet. Ich habe dieses Prinzip in vielen anderen Lebensbereichen wiedergefunden und daraus eine Philosophie des Anerkennens begründet (2000a).

Im Feld der Wissenschaften lehrt diese Philosophie des Anerkennens die „Sowohl-alsauch- Logik“: Licht hat sowohl Wellen- als auch Teilcheneigenschaften. Die klassische „Entweder-Oder-Logik“ ist nur ein relativ seltener Sonderfall, der nur für Ereignisse gilt, die zur selben Zeit an verschiedenen Orten stattfinden sollen. Der weitaus größere Teil unseres Denkens beschäftigt sich mit Problemen, die mit dem Anerkennungsprinzip, der Sowohl-als-auch Logik, gelöst werden können.

So gehen wir an eine kinesiologische Testung mit Offenheit für viele Möglichkeiten heran. Es könnenmehrere Stoffe, Herde,Medikamente etc. „positiv“ getestet werden. Auch wenn wir meistens nach dem Entweder- Oder-Prinzip entweder positiv oder negativ testen, so hat doch jede Testperson eine Vielzahl von Möglichkeiten in Bezug auf Behandlungen – auch bei der gleichen schulmedizinischen Diagnose. Bei einer Allergie z.B. können Amalgamunverträglichkeit, genetische Disposition, Angst / Stress oder andere Kontextbedingungen vorliegen und es können ggf. individuell ganz unterschiedliche Gesundungswege gegangen werden.

Grundsätzlich erkennen wir eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten an.

Auch die Trennung von Körper und Seele, von somatisch und psychisch, ist eine Folge der aristotelischen Logik in kategorischem Entweder-Oder. Bei einem systemisch ganzheitlichen Verständnis erscheinen Körper und Psyche als unterscheidbare Aspekte derselben Ganzheit (Petzold 2011c). Ein Sowohl-als-auch-Denken hilft uns in vielen Situationen, in denen das Entweder- Oder-Denken in einer sich ausschließenden Dualität stecken bleibt, eine neue Lösung zu finden. Zur Heilung einer chronischen Erkrankung genügt es z. B. meist nicht, entweder psychotherapeutisch oder organtherapeutisch zu behandeln, sondern es wollen sowohl psychische als auch organische Aspekte synergistisch angeregt werden, damit eine Gesundung eintreten kann. Sowohl das Verhalten und die subjektiven Einstellungen des Patienten als auch Medikamente können hilfreich sein usw. Wir betrachten den Menschen als Ganzes mit körperlichen, seelischen und geistigen Aspekten und unternehmen alles, um ihn zu einer gesunden Entwicklung anzuregen.

Gesundheitsdynamik

Eine Erkrankung ist folglich eine Überforderung, Störung oder eine Besonderheit der gesunden Selbstregulation. Wenn wir die gesunde Entwicklung von Menschen betrachten, lernen wir auch, seine Erkrankungen verstehen.

Unser Blick ist in jedem Fall nicht nur auf den Gesundheits- oder Krankheitszustand, sondern vielmehr auf die Dynamik der gesunden Entwicklung gerichtet. Wenn wir diese Entwicklung im Auge haben und wissen, dass jedes Individuum einzigartig ist, können wir keine Reproduzierbarkeit von Heilungen fordern oder erwarten – solange es sich um lebendige Wesen handelt. Dieses Paradigma ist natürlich ein ernstes Problem für die „harte“, sich selbst als rational, kausal verstehende wissenschaftliche Medizin.

Wir können – ähnlich wie in der Quantenphysik – kaum lineare Kausalitäten, sondern vielmehr Wahrscheinlichkeiten finden und angeben.

Wir dürfen uns von einem einseitigen Ursache- Wirkung-Denken lösen. Die statistischen Aussagen der Wahrscheinlichkeit sind allerdings für die Entwicklung eines Individuums wenig aussagekräftig. So wissen wir bei Risikofaktoren, Medikamentenwirkungen und Nebenwirkungen nicht vorher, ob unser Patient von den Folgen betroffen ist. Wir wissen aufgrund von „objektiven“ Untersuchungen nicht, ob der Proband z. B. unter den 60 % Respondern oder den 40 % Non-Respondern ist oder gar bei den 15 % der PatientInnen mit Nebenwirkungen. Und deshalb ist eine ganz individuelle Testmethode wie die Kinesiologie für die Optimierung unserer individuellen Behandlung so wichtig. Eine gelegentlich vorhandene Nichtreproduzierbarkeit zu anderen Zeiten und durch andere Untersucher wird dabei ganz bewusst in Kauf genommen, denn aus theoretischen Überlegungen heraus kann Reproduzierbarkeit bei sich individuell entwickelnden Lebewesen nur in sehr groben Maßstäben und Sonderfällen möglich sein. Auch in der Quantenphysik ist die Reproduzierbarkeit z. B. von Quantenvorgängen auf Wahrscheinlichkeiten reduziert. „Die Natur ist nur einmal da.“, sagte Ernst Mach, der Lehrer von Albert Einstein.

Resonanz – der Schlüsselbegriff für Interaktionen

Der Begriff „Resonanz“ stammt aus der Akustik und bedeutet ein Mitschwingen in Eigenschwingungen (Petzold 2000b). Er steht in enger Beziehung zu „Stimmigkeit“ und „Kohärenz“ im Salutogenese-Konzept (Petzold 2010; Antonovsky 1997). Inzwischen hat dieser Begriff in vielen Wissenschaftsbereichen Verwendung gefunden: in der Elementarteilchenphysik z.B. bei der Synthese von neuen Elementen als Resonanz auf vorhandene, so genannte Vakuumschwingungen, in Kommunikationstechniken wie dem Resonanz-NLP, bei der Bioresonanztherapie usw. Im Buch „Resonanzebenen – Die Evolution der Selbst- Organisation“ (2000b) habe ich verschiedene Qualitäten von Resonanz im Laufe der Evolution untersucht und beschrieben. Auch das Phänomen, welches die Grundlage für die kinesiologische Testung bildet, können wir gut als Resonanzkette oder -kreis verstehen: Die Innervation des Testmuskels steht in Resonanz mit Schwingungen des vegetativen ZNS. Dieses steht in Resonanz mit einer Steuerzentrale und dem Grundsystem nach Pischinger. Diese steht in Resonanz mit den Schwingungen der Testsubstanz und den Testfragen. Und über den Tester, seine Fragen, seinen Druck und seine Sensibilität schließt sich der Resonanzkreis. Dabei ist es für die Kinesiologie besonders wichtig, dass es auch Resonanzen z. B. von Elementarteilchen auf so genannte Vakuumschwingungen geben kann, also auf metaphysische Informationen; Resonanzen des Körpers auf Gedanken und Vorstellungen, Telepathie und Intuition; dass es möglicherweise metaphysische Informationen gibt, die die physikalische Energie in eine Form bringen (in-form-ieren) und dass es ein metaphysisches Zielbild von einem heilen Menschen gibt, auf welches der Organismus in seiner Entwicklung resoniert. In der Chaosforschung werden solche metaphysischen Zielbilder für dynamische Prozesse „Attraktoren“ genannt. Diesen Begriff zusammen mit den Erkenntnissen der Chaosforschung in Bezug zum Entstehen von Ordnung aus Chaos halte ich für sehr tauglich auch und gerade für ein Verständnis lebendiger Vorgänge, für die Entstehung von Gesundheit, Salutogenese. Ein Attraktor ist eine oft sehr komplexe imaginäre Information, mit der die an einem Vorgang beteiligten Teilchen in Resonanz gehen können und sich auf sehr unterschiedlichen, oft chaotisch erscheinenden Wegen dem attraktiven Ziel annähern (Petzold 2000b; 2000c; 2007a; 2010).

Der Beitrag wird in CO’MED fortgesetzt.


Zum Autor Theodor Dierk Petzold

Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, ECP, Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der MHH, Leiter des Zentrums für Salutogenese, Sprecher Dachverband Salutogenese; Entwickler und Ausbilder der Salutogenen Kommunikation SalKom®.

Kontakt:

Am Mühlenteich 1, D-37581 Bad Gandersheim, Tel.: 05382 / 955470, Fax: 05382 / 9554712, theopetzold@gesunde-entwicklung.de, www.gesunde-entwicklung.de, www.salutogenese-zentrum.de