Dr. paed. Werner Weishaupt
Angewandte Kinesiologie
Ganzheitliche Traumatherapie
Die Methoden der Kinesiologie erlauben über den Muskeltest als Kommunikationsbrücke zum Unbewussten und Körper der Testperson ein präzises Auffinden, Bewusstmachen und Verändern traumatischer Erlebnisse und ihrer Folgen. Dies soll an dem Fallbeispiel eines 14jährigen Jungen dargestellt werden.
Im April dieses Jahres meldete sich die Mutter eines 14jährigen Jungen in der Praxis und klagte über verschiedene Veränderungen in der Psyche und im Verhalten ihres Sohnes. Etwa seit Beginn des letzten Schuljahres im August 2001 habe sich Sebastian sowohl in der Schule wie zuhause sehr nachteilig entwickelt. Er sei seit dieser Zeit immer verschlossener, gleichgültiger und lustloser geworden, arbeite in der Schule kaum noch mit, erledige auch seine Hausaufgaben nicht mehr ordentlich, wirke nach außen immer ziemlich "cool", mache ihr aber doch eher einen unglücklichen oder irgendwie deprimierten Eindruck. Alle Versuche, mit ihm ins Gespräch zu kommen, gemeinsam nach Ursachen zu forschen, ihn wieder zu motivieren oder ihm sonst wie zu helfen, seien gescheitert. Er behaupte, es gehe ihm doch gut, ansonsten sollten die Eltern ihn in Ruhe lassen! Sie könne sich diesen Wechsel in seinem Verhalten nicht erklären. Die große Umstellung von der sechsten Klasse in die siebte der weiterführenden Schule habe er damals eigentlich gut gemeistert.
Ob das einfach die Pubertät sei oder der Einfluss seiner Clique?
Nun sei von der Schule die Nachricht gekommen, dass er mit den inzwischen dramatisch abgesackten Leistungen nicht in die achte Klasse versetzt werden könne. Das habe ihn dann doch etwas aufgeschreckt, so dass er jetzt einer Testsitzung zugestimmt habe.
Die Methode der Kinesiologie kennt Sebastian von einer damals wohl recht erfolgreichen Allergiebehandlung als neunjähriger:
Wir verabreden einen Termin und Sebastian kommt mit seiner Mutter in die Sprechstunde, wusste aber eigentlich gar nicht so recht, was er da soll. Im Gespräch, in dem ich versuchte mit ihm in Kontakt zu kommen und evt. einen Funken eigener Motivation für die Behandlung zu entdecken, zeigt er sich ähnlich verschlossen wie von der Mutter auch sonst geschildert. Immerhin willigt er ein, sich kinesiologisch befragen zu lassen, um vielleicht das drohende Sitzenbleiben doch noch zu verhindern, denn er wollte gerne mit seinen Klassenkameraden zusammen bleiben.
Für das präzise Muskelbiofeedback ist es grundsätzlich erforderlich, eine Reihe von Vortests und ggf. Vorkorrekturen durchzuführen:
Nur dann ist sichergestellt, dass man zu einem bestimmten Thema über die unterschiedliche Muskelspannung wirklich zuverlässige Antworten bekommt.
Für die Art der Fragestellung gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
Verbal und averbal.
Um suggestive Elemente möglichst auszuschalten bevorzuge ich in der Regel zunächst die averbale Testung über die sog. "Fingermodes" oder bestimmte Reflexpunkte, die die Richtung eines "Defektes", eines Traumas oder einer sonstigen Blockierung anzeigen. Ein vielfach bewährtes Instrument dabei ist das sog. "Dreieck der Gesundheit", das der "Gründervater" der Angewandten Kinesiologie, Dr. George Goodheart, eingeführt hat.
Die "strukturelle" Seite unseres Organismus umfasst dabei unsere Muskeln, Sehnen, Knochen, Gelenke, Wirbel, Organe, Drüsen usw.
Die "biochemische" Seite umfasst sämtliche Prozesse, die die "Struktur" zum Leben bringen, wie: Atmung und Verdauung, Stoffwechsel der Hormone, der Neurotransmitter usw.
Die "psychisch-mentale" Seite schließlich umfasst all das, was unser Menschsein letztlich ausmacht: unsere Gedanken und Gefühle, unsere Wünsche und Befürchtungen, unsere Bedürfnisse und Überzeugungen.
Als das verbindende Element sah Goodheart das "Meridiansystem" - entlehnt aus der chinesischen Medizin - an:
Durch die Meridiane fließen die "Lebensenergie" (Chi) und mit ihr die steuernden Informationen. Eine Behandlung über das Merdiansystem, z.B. in Form von Akupunktur oder Akupressur, ist daher stets eine "ganzheitliche" Behandlung.
Ich habe nun diese Grundfigur des "Dreiecks der Gesundheit" benutzt, um die Testfragen nach Sebastians verändertem Verhalten sinnvoll gliedern zu können. Die Vermutung der Mutter, "die Pubertät" sei schuld, würde sich dabei auf der "biochemisch-hormonellen" Seite zeigen, ebenso wie möglicherweise wieder bestimmte Allergieauslöser oder neu dazugekommene Gifte (Drogen) oder sonstige Unverträglichkeiten.
Und Probleme des Selbstvertrauens, innerseelische und soziale Konflikte, familiäre Spannungen und Verstrickungen, Leistungsängste oder geistige Überforderung würden sich auf der "psychisch-mentalen" Seite spiegeln.
Hier suchten wir eine ganze Weile, um mögliche Hypothesen zu überprüfen, fanden aber nichts Entscheidendes.
Fündig wurde ich dann unvermuteterweise auf der "strukturellen" Seite:
Beim Stichwort "Unfälle / Traumata".
Als Zeitpunkt für einen Unfall konnten wir über den Muskeltest den Juli 2001 bestimmen. Zunächst fiel aber weder Sebastian noch der Mutter etwas dazu ein.
Schließlich dämmerte es Sebastian:
Er hatte damals in den Sommerferien einen Sturz mit seinem Fahrrad "gebaut", wobei er über die Lenkstange gegangen war. Zuhause hatte er davon gar nicht groß erzählt, weil er ohne sichtbare Verletzungen geblieben war. Der emotionale Schock dieses Erlebnisses hatte sich aber in den Strukturen seiner Schädelknochen festgesetzt und hatte ganz offensichtlich so weitreichende Auswirkungen auf seine Psyche und sein Verhalten nach sich gezogen.
Dies bestätigte sich dadurch, dass nach der kinesiologischen Behandlung, die im Wesentlichen aus der etwa zehnminütigen Bestrahlung spezifischer Akupunkturpunkte mit farbigem Licht (Farbpunktur) bestand, Sebastian fast wieder "der Alte" wurde: ein zugänglicher und umgänglicher Jugendlicher, der wieder Spaß am Lernen und - gemäßigt - auch an der Schule entwickelte. So jedenfalls berichteten er und seine Mutter bei den Kontrollterminen einige Wochen und einige Monate später. Allerdings konnte er sein Ziel, in der Klasse zu bleiben, nicht mehr erreichen. Dazu hatte er zuviel im laufenden Schuljahr versäumt. Jedoch blieb ihm und seiner Familie dank der kinesiologischen Test- und Balancemöglichkeiten eine langwierige und teure Verhaltenstherapie erspart!
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